
Dieses Interview ist bewusst zweischichtig angelegt.
Der erste Teil nähert sich SAXICOLA RUBI über Bilder, Erinnerungen und innere Zustände. Der zweite Teil richtet den Blick nach vorne: auf Kontexte, Publikum und Aufführungssituationen.
Die Fragen dienen nicht nur der Vorstellung des Duos, sondern der Vorbereitung einer Begegnung – zwischen SAXICOLA RUBI und dem rumänischen, transsilvanischen und ungarischen.
Vor Kurzem veröffentlichte das Budapester, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Literaturportal Liter@ eine Serie von Reportagen, in denen Gergely Edit eine Konzertreise des französischen Komponisten Laurent Rochelle begleitet und dabei auch das Duo Saxicola Rubi hervorhebt. Die Texte verbinden literarische Reflexionen mit Einblicken in die zeitgenössische Jazzszene und deren transnationale kulturelle Netzwerke. Eine französische Übersetzung der Serie ist hier verfügbar:
das Original finden Sie hier.
Da Gergely Edit von Beruf Kommunikations- und PR-Fachfrau ist, legen wir besonderen Wert auf die Sichtbarkeit und Förderung der Partner und Verbündeten der Saxicola-Rubi-Tour. Sowohl in der Vorbereitung als auch in der medialen Darstellung der Veranstaltungen achten wir darauf, die Projekte und Prioritäten unserer Unterstützer wirkungsvoll zu kommunizieren.
Ziel ist es, die kulturelle Wirkung der Kooperationen zu verstärken und die beteiligten Initiativen im gemeinsamen Kontext sichtbar zu machen.
Das Gespräch versteht sich damit zugleich als Dokument und als offene Einladung: zu Aufmerksamkeit, Präsenz und gemeinsamer Resonanz.
SAXICOLA RUBI
Ein Duo aus Sopransaxophon und Bassklarinette.
Akustisch, improvisierend, ortsbezogen.
Musik zwischen Struktur und Freiheit, Natur und Architektur.
Interview Laurent Rochelle: EN – FR – RO – HU
Dirk Vogeler

Saxophon (Tenor, Sopran), Bassklarinette, Posaune.
Verbindet Tradition mit persönlicher Melodik.
Arbeitet zwischen Jazz, Improvisation, Theater und Naturkonzerten.
Mitbegründer von SAXICOLA RUBI.
I. Bilder als Auslöser – Musik erinnern
Foto 1 – Junas

Zwei Musiker stehen sich gegenüber, in ihrer Mitte ein Blatt Papier und um sie herum, wie in einer Stierkampfarena, das sitzende Publikum.
Das ganze in einer protestantischen Kirche. Obwohl ich mich nicht als Christ bezeichnen würde sondern eher als Humanist, fühle ich mich in einer evangelischen Kirche ein bisschen « zu Hause » (ich komme aus einer evangelischen Familie, wir sind Nachfahren von Martin Luther).
Das ist vielleicht ein wenig Nostalgie, da ich, seitdem ich in Frankreich lebe (25 Jahre), Land in dem die Christen hauptsächlich katholisch sind, selten auf evangelische Kirchen stosse.
Ich erinnere mich, dass es ein heisser Sommertag war. Und an den Moment, als der Veranstalter seine Ansprache hielt und wir noch ausserhalb des Zuschauerkreises warteten, bevor wir den Kreis durchbrachen und in die Mitte gingen, um unsere Show zu beginnen.
Die anfängliche Angst wird sehr schnell von einem Gefühl der Geborgenheit verdrängt : Das Publikum und der Partner fangen mich auf. Wir sind wie 2 Jongleure, die sich nicht Bälle, sondern Töne und Melodien zuwerfen, von denen man sicher ist, dass der andere sie auffängt.
Foto 2 – Les évadées à Ausseing

Das sieht ja aus wie ein Lagerfeuer. Oder eine nächtliche Prozession : In der Halbdunkelheit sieht man nur Teile der Körper der Musiker, wohingegen die Instrumente beleuchtet sind. Eine intime Atmosphäre. Man sieht nicht das Publikum.
Wenn ich mich richtig erinnere, ist das Foto während eines 3-tägigen sommerlichen Festivals entstanden, welches wir Künstler selbst organisiert haben : In drei Nachbardörfern, nicht weit von den Pyrenäen, trifft das Publikum während einer Wanderung nacheinander auf eine Theatergruppe, eine Tänzerin begleitet von einer Pianistin und auf das Duo Saxicola Rubi. Das gibt mir ein Gefühl des « Zusammenentstehen », des « Zusammenwachsen ». Zum einen durch die Arbeit mit den anderen Künstlern, zum anderen durch das gemeinsame Erleben mit dem Publikum.
Das Konzert auf diesem Foto fand am Ende der Wanderung statt, jetzt fällt es mir wieder ein : Wir begannen bei Sonnenuntergang zu spielen und beendeten das Konzert in völliger Dunkelheit. Dieses
tägliche Naturwunder fast wie ein Ritual gemeinsam zu erleben, gibt dem Ganzen ein intimes Gefühl.
Foto 3 – Stanto

An das Foto kann ich mich nicht erinnern und ich brauche einige Sekunden, um es einzuordnen. Jetzt hab ich’s : Ein Konzert in der wunderschönen Kleinstadt Saint Antonin Noble Val, auf dem Platz « place du four neuf ».
Der Ort ist ganz in der Nähe von meinem Wohnort. Was sieht man auf dem Foto : In der Bildmitte folgende Requisiten wie für ein Theaterstück : Die Sopransaxophone auf dem Ständer, der Zirkuskoffer von Laurent, mein Bassklarinettenständer, 2 Becher und 1 Flasche Wasser. Es war heiss.
Und links im Bild : die beiden « Zaubervögel » mit den Bassklarinetten in Aktion. Das Publikum ist links, ausserhalb des Bildes. Es war für mich ein sehr persönlicher Moment, zumal im Publikum auch Bekannte und Freunde waren, denen ich unsere « Geschichten » erzählen wollte.
Man spielt ja nicht so oft in der Nähe von zu Hause.
Foto 4 – itin’errances

Dank dieses Duos SAXICOLA RUBI, bin ich oft zu Konzerten in der Natur eingeladen. Seit einiger Zeit sind wir sozusagen Spezialisten von Naturkonzerten geworden. Manchmal morgens, manchmal nachmittags.
Da ich auch gerne im Wald wandere, ist mir dieses Milieu vertraut. Ich bin es jetzt schon gewohnt, zu Fuss mit meinen Instrumenten und einem kleinen Rucksack mit Wasserflasche zum Konzertort zu gehen. Oft haben wir dann mehr oder weniger Zeit vor Ort zu verbringen, bevor das wandernde Publikum eintrifft und das Konzert beginnt.
Die Waldtoilette mit Blättern anstatt Klopapier ist seit meinen Waldkonzerten auch zur Routine geworden. Ich fühle mich wohl.
Foto 5 – Belbeze en musique

Ursprünglich als Waldkonzert geplant, hat das regnerische Wetter dazu geführt dass wir in diesem Saal spielen. Die Backstage Loge war am Ende des Saals, hinter dem Publikum.
Von dort aus konnten wir die vorhergehenden Darbietungen, Musik und Clowntheater, verfolgen. Wieder erinnere ich mich an das Gefühl, ein Teil eines Ganzen zu sein, welches durch das Veranstaltungskonzept der multiplen und multidisziplinären Darbietungen erzeugt wird.
Stolz kommt auch ein bisschen dazu, mit meiner Musik an so schönen Orten aufzutreten und die Herzen der Leute zu erfüllen.
Foto 6 – video TAO

Um dieses Lied « la mélodie du Tao » von Laurent aufzunehmen und zu filmen, haben wir ein RDV mit Julien, dem Kameramann und Fred, dem Fotographen. Das ganze an einem Herbstnachmittag auf einem Parkplatz, eine halbe Autostunde und einen kurzen Fussmarsch vom Drehort (der See) entfernt.
Anstatt zügig zusammen mit dem Auto loszufahren, um noch bei Tageslicht filmen zu können, wird erstmal überlegt, wer noch was im Supermarkt zu essen kaufen möchte …
Als wir dann schliesslich filmbereit und bei Abendlicht am See sind, reagiert auf einmal Jean-Luc, der Hund vom Kameramann, mit lautem Bellen, als Laurent und ich unsere ersten Töne auf dem Sopransaxophon spielen. Jean-Luc muss sich erstmal an uns gewöhnen, und dann bleibt uns noch eine Stunde vor Sonnenuntergang.
Als dann das Lied im Kasten ist, tritt die Dämmerung ein.
Ouff. Wir haben sogar noch die Zeit gehabt, eine Choreographie – wir drehen uns spielenderweise im Kreis- auszuprobieren.
Foto 7 – St Pierre les Cuisines

Dies ist gewissermassen der Höhepunkt unseres Abenteuers mit Johann-Sebastian Bach. Im Vorjahr sind wir schon auf dem Bach OFF Festival von Toulouse eingeladen worden, und nun, das Bachfestival.
Ein Konzert in diesem unglaublich schönen Konzertsaal aus rotem Backstein in Toulouse, wo ich schon mal als Zuschauer ein Superkonzert gesehen habe und wo man oft ein philharmonisches Orchester sieht. Und nun, wir zwei, unser Duo, in diesem Riesensaal.
Für den Soundcheck hatte man uns gerade mal 10 Minuten Zeit gelassen. Das Bild schliesst gewissermassen das Bachabenteuer ab, oder krönt es. Ich war bei diesem Konzert angespannter als üblicherweise.
Aber ich glaube niemand hat es gemerkt. Hinzu kommt, das wir ein Bachstück gespielt haben, welches für mich auf der Bassklarinette sehr schwer zu spielen ist, sozusagen mein Angststück. Laurent war genau das Gegenteil an diesmen Nachmittag, super entspannt und losgelöst. Und tatsächlich sagt er dann das Stück an mit den Worten : « wenn wir in dem nächsten Stück einen Fehler machen, werden wir es mit einer Improvisation beenden ».
Und tatsächlich, seine Suggerierung hat funktioniert, ich musste während des Stückes an den Fehler denken, der dann auch kam … das Publikum hat bestimmt nichts gemerkt, nicht mal meine musikalische und kritische Freundin, die im Publikum sass.
Foto 8 – Soueich Café

Ich habe das Foto nie gesehen. Das ist ja lustig. Ich kann mich erinnern, dass etwas lustiges passiert ist zu Beginn des Konzertes in diesem kleinen assoziativen Saal und ich kann mir gut vorstellen, dass ich diese lustigen Brillen gefunden habe.
Bin mir allerdings ziemlich sicher, dass wir das ganze Konzert nicht mit den Brillen gespielt haben. Ich habe manchmal das Bedürfnis, mich selbst nicht so ernst zu nehmen und auch die Zuhörer ein bisschen zu provozieren, obwohl ich Musiker bin und kein Clown.
Wenn solche kurzen humorvollen Momente entstehen, ist es ein Zeichen für mich, dass die Mischung aus Aufregung, Stress und Spass und Entspannung im guten Gleichgewicht sind.
Foto 9 – Junas

Das gleiche Konzert, diesmal nicht ein Stück mit 2 Bassklarinetten, sondern mit Laurent an der Lead-/ Melodiestimme mit dem Sopransaxophon und ich begleitend oder groovend an der Bassklarinette. Wir sind statisch, im Gegensatz zum Foto 1, welches viel Dynamik und Energie ausdrückt.
Das zeigt, dass ein Foto nur eine Momentaufnahme ist und tatsächlich wechseln sich in unseren Konzerten beschauliche und energetische Momente ab. Das schöne an den Festivals ist, dass man nachher andere Konzerte sehen und manchmal andere Musiker kennenlernen kann.
Was übrigens bei dem Festival “Jazz à Junas” der Fall war, ich habe den netten Kölner Trompeter Markus Stockhausen (Sohn des berühmten Komponisten Karlheinz Stockhausen) kennengelernt, der ein sehr engagierter Mann ist. Ich bin ja auch ein Rheinländer so wie er (gebürtig in Leverkusen, neben Köln).
Foto 10 – Belbèze en Musique

2 Jahre nach dem Saalkonzert, sind wir mit SAXICOLA RUBI wieder in Belbèze eingeladen, diesmal bei sonnigem Wanderwetter.
Die Zeit die wir haben, bevor das Publikum kommt, nutzen wir, um unseren Standort auf dem etwas steilen / abfälligen Feld zu finden. Gemacht, getan.
Plötzlich stellen wir fest, dass in dem Baum den man auf dem Foto sieht, ein Wespennest ist. Laurent ist nicht ängstlich und ich bin etwas weiter weg !
Wir bleiben wo wir sind. Während des Konzertes mache ich dann auch einmal eine witzige Bemerkung, in die ich einfliessen lasse, dass die Zuschauer besser nicht so schnelle Bewegungen machen und schon gar nicht wegrennen sollten, da im Baum Wespen sind.
Foto 11 – Jazz a Vauvert

Am Ufer eines Sees in diesem wunderschönen Vogelpark. Es war eines unserer ersten Konzerte in der Natur und auch ein Konzert auf einem renommierten Jazzfestival, mit viel Publikum. Das Umfeld ist sehr inspirierend gewesen.
Vor dieser Szene sind wir mit 2 Booten am Ufer angekommen (Laurent und ich, jeder in einem Boot von einem Gondoliere geführt, auf dem Sopransaxophon spielend) – und das vor den Augen des zahlreichen Publikums – eine recht akrobatische Angelegenheit.
Das Foto strahlt Ruhe und Harmonie aus. Es war allerdings gar nicht so einfach, mit dem Puls herunterzukommen nach der akrobatischen und auch für die Instrumente riskanten Aktion.
Bevor wir dann das eigentliche Konzert am Ufer beginnen, weiss man nicht, wie das Publikum unsere Musik annehmen wird. Es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser.
Foto 12 – session photo avec Fred

Dieses Foto ist bei einer Fotosession mit Fred Schadaroff entstanden. Die Stimmung war entspannt, unter Freunden. Ziel war es, Nahaufnahmen von uns beiden zu machen, Aktion und die Instrumente zu zeigen.
Unter den vielen gemachten Fotos haben wir diejenigen ausgesucht (2-3), die etwas humorvolles und spielerisches ausdrücken.
Ich finde mich und unser Duo wieder, wenn ich mir das Foto angucke und halte es für geglückt.
II. Natur, Raum und Improvisation
SAXICOLA RUBI als akustisches Duo.
Bassklarinetten wie Erdschichten, Sopransaxophone wie Vogelrufe.
Unplugged, beweglich, ortssensibel.
Kirchen, Wälder, Plätze – Musik passt sich an, nicht umgekehrt.
Gergely edit & Interview
Dirk Vogeler:
„SAXICOLA RUBI: Vibrationen.
Energie.
Komplizenschaft.„
GERGELY EDIT: Wie ist das Duo SAXICOLA RUBI entstanden?
DIRK VOGELER: Ich hatte Laurent schon einige Jahre zuvor in einer Kneipe spielen sehen, mit dem Projekt Okidoki.
Irgendwann verspürte ich selbst den Wunsch, mir eine Bassklarinette zu kaufen – ursprünglich spiele ich Tenorsaxophon, später dann Sopransaxophon.
Der entscheidende Moment kam beim Jazz en Comminges Festival in Saint-Gaudens. Laurent und ich saßen mittags gemeinsam mit unseren jeweiligen Bands im Restaurant, mit denen wir am Vorabend gespielt hatten.
Wir kamen ins Gespräch, und Laurent lud mich zu sich nach Hause ein, um mir einige grundlegende Handgriffe auf der Bassklarinette zu zeigen. Schon bei dieser ersten gemeinsamen Session entstand die Idee eines Duos.
GE: Was zeichnet eure Zusammenarbeit menschlich und musikalisch aus?
DIRK VOGELER: Unsere Zusammenarbeit ist von Beginn an durch ein nicht-verbales Verständnis geprägt.
Die Musik steht zuerst. In unseren Arbeitssessions müssen wir nicht viel erklären, sondern hören einander zu.
Hinzu kommt, dass unser Verhältnis auch auf verbaler Ebene sehr gut funktioniert. Es gibt kein Bedürfnis nach Kontrolle oder Dominanz, sondern ein gegenseitiges Lebenlassen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir uns in einer ähnlichen Lebenssituation befinden – auch was das zeitliche Engagement für das Projekt betrifft.
Wir sind uns in vielem ähnlich – wir sind beide ökologische Hausbauer und Gärtner und leben auf dem Land – und zugleich auch sehr verschieden.
GE: Wie würdest du den Klang von SAXICOLA RUBI beschreiben?
DIRK VOGELER: Es geht um Klang, Wellen und Vibrationen.
Die tiefen Frequenzen der Bassklarinetten scheinen aus dem Bauch der Erde zu kommen, während die Höhen der Sopransaxophone an Vogelgesang hoch oben in den Baumkronen erinnern.
Das Schwere und das Leichte begegnen sich.
All das wird getragen von einer starken improvisatorischen Energie, die idealerweise während eines Konzerts nicht abnimmt und durch den ständigen Dialog der Duoform genährt wird.

GE: Warum ist das akustische, unverstärkte Spiel für euch so wichtig?
DIRK VOGELER: Das Besondere an SAXICOLA RUBI ist, dass die Musik akustisch, also unplugged, gespielt werden kann – und dennoch eine große Kraft entfaltet.
Das gibt uns eine enorme Flexibilität in Bezug auf die Orte: Kirchen, Wälder, Plätze, nicht klassische Bühnen.
Das Publikum spürt dabei auch, dass wir uns als Duopartner menschlich gut verstehen. Diese Qualität überträgt sich direkt auf den Klang.
GE: Hast du bereits in Rumänien oder vor rumänischem Publikum gespielt?
DIRK VOGELER: Nein, ich habe bisher noch nie in Rumänien gespielt und auch noch nicht für ein rumänisches Publikum musiziert.
GE: Was kann das Publikum bei einem Konzert von SAXICOLA RUBI erwarten?
DIRK VOGELER: Das Publikum darf sich auf etwa eine bis eineinhalb Stunden Musik einstellen – sitzend, liegend oder stehend.
Wenn wir nicht verstärkt spielen, kann das Duo den Ort oder die Bühne wechseln, auch während der Darbietung, zwischen den Stücken. Es ist sogar möglich, dass jeder von uns an einem anderen Punkt im Raum spielt.
So entsteht ein beweglicher, offener Klangraum.

GE: Was bedeutet für dich ein Live-Konzert?
DIRK VOGELER: Musik ist Klang, Frequenz – allgegenwärtig in unserem Alltag: Vogelgesang, Radio, Geräusche.
Ein Live-Konzert hingegen ist ein privilegierter Moment, in dem man sich den Klängen vollständig hingibt und sie auf sich wirken lässt – mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.
Ich mag es besonders, wenn ein Konzert wie eine Seelenmassage wirkt.
GE: Welche Rolle spielt Kritik für dich?
DIRK VOGELER: Kritik ist für mich ein wertvolles Feedback.
Gleichzeitig sollte man sich davon nicht zu sehr beeinflussen lassen, da jeder auch sein eigenes Gespür hat. Kritik ist immer persönlich und subjektiv.
GE: Hat sich deine Wahrnehmung im Laufe der Jahre verändert?
DIRK VOGELER: Ja, ich glaube, ich bin sensibler und empfänglicher geworden.
GE: Was glaubst du, hören die Menschen aus deiner Musik heraus?
DIRK VOGELER: Ich weiß es nicht genau.
Aber ich glaube, meine Musik ist ein Spiegel meiner selbst. Alles ist darin lesbar: ein sensibles, ernsthaftes und zugleich humorvolles Wesen.
GE: Was ist für dich die wichtigste Voraussetzung für ein funktionierendes Projekt?
DIRK VOGELER: Ein Projekt muss menschlich stimmen, sonst kann es musikalisch nicht funktionieren.
Wie in einer Beziehung: Die Chemie passt – oder sie passt nicht.
Störungen entstehen oft nicht zwischen den beteiligten Personen, sondern durch eine konflikthafte Beziehung zum eigenen Künstlersein, etwa durch zu hohe Erwartungen.
Eine weitere Grundlage des gemeinsamen Musizierens ist die Fähigkeit, Kritik anzunehmen und sich selbst in Frage zu stellen.
Zusammen zu kreieren ist wie zusammen zu leben.
GE: Wenn du SAXICOLA RUBI in drei Worten beschreiben müsstest?
DIRK VOGELER:
Vibrationen.
Energie.
Komplizenschaft.
Gergely Edit
Autorin, Projektmanagerin, Journalistin
Die Autorin ist ausgebildete Projektmanagerin mit Marketingabschluss und Méray-Preisträgerin im Journalismus. Sie ist Verfasserin von zwei literarischen Werken.
Ihr Blog Magánterület.tk war der erste ungarischsprachige Blog in Rumänien (2002) – dokumentiert unter anderem von Czika Tihamér (Eine kleine siebenbürgische Bloggeschichte).
Dies ist die Fortsetzung.
Laurent Rochelle feat. Gergely Edit 

